Thromboseverdacht?

Diese Informationen richtet sich an Menschen, bei denen eine Thrombose oder Thrombophlebitis festgestellt wurde oder ein entsprechender Verdacht besteht. Er erklärt die wichtigsten Grundlagen zur Diagnostik und Therapie, zeigt sinnvolle nächste Schritte auf – und beschreibt, wie Sie selbst zum Behandlungserfolg beitragen können.
Wenn bei Ihnen kein Thromboseverdacht besteht, ist die Lektüre dieses Textes in der Regel nicht notwendig.

Thrombose und Thrombophlebitis

Darunter versteht man eine Gerinnselbildung (Thrombus) in den Venen, bei der das zuvor flüssige Blut verklumpt und die entsprechenden Venen teilweise oder vollständig verschlossen werden.

Man unterscheidet zwischen einer Thrombose in den tiefen Venen (TVT) und einer Thrombose in den oberflächlichen Venen (OVT bzw. Venenentzündung). Nicht selten kann das Gerinnsel, insbesondere bei verspäteter Therapie, auch in ein Lungengefäß verschleppt werden und eine gefährlichere Lungenembolie (LAE) verursachen. Deshalb sind eine zeitnahe Diagnostik und Therapie wichtig.

Ursachen

Thrombosen entstehen plötzlich (akut) und oftmals können thromboseauslösende Ursachen erfragt werden. Zu den Risikofaktoren zählen beispielsweise kürzlich erfolgte größere Operationen, Bettlägerigkeit, sehr lange Reisen, akute Krebsleiden, ausgeprägte, nicht behandelte Krampfadern und bestimmte Erkrankungen. Nicht selten lässt sich keine Ursache feststellen.

Eine typische Thrombose-Symptomatik gibt es nicht

Eine Thrombose oder Thrombophlebitis kann sich durch die verschiedensten unspezifischen Beschwerden und Befunde äußern. Diese Beschwerden und Befunde finden sich aber auch bei vielen anderen Erkrankungen und Problemen. Deshalb ist es in der Regel sinnvoll, sich zunächst beim Hausarzt vorzustellen, um die Thrombosewahrscheinlichkeit nach einem international üblichen Standard ärztlich einzuschätzen. Zusätzlich kommt die Erfahrung Ihres Hausarztes hinzu. Er kennt Sie und Ihre Begleiterkrankungen am besten und kann Sie gfls. sinnvoll weiterleiten.

Untersuchung der Thrombose-Wahrscheinlichkeit

Zur Ersteinschätzung des Thromboserisikos wird häufig der Wells-Score Fragebogen verwendet. So können Haus- und Fachärzte anhand bestimmter Risikofaktoren und Symptome die Wahrscheinlichkeit für eine tiefe Beinvenenthrombose (TVT) berechnen bzw. einschätzen. Je nach Ergebnis wird zusätzlich ein Bluttest (D-Dimere) durchgeführt. Wenn das Risiko anhand des Wells-Score-Fragebogens niedrig ist und der Bluttest negativ ausfällt, ist eine Thrombose sehr unwahrscheinlich und gilt meistens als ausgeschlossen. Gegebenenfalls wird Ihr Hausarzt dann nach anderen Ursachen suchen.

Bei einem hohen Risiko gemäß Wells-Score wäre ein zeitnaher Termin bei einem Gefäßspezialisten zur Ultraschalluntersuchung wichtig.

Notfall-Termin über Ihre Hausarztpraxis

Ihr Hausarzt hält eine dringende Abklärung für notwendig – zum Beispiel bei hoher Thrombose-Wahrscheinlichkeit? In solchen Fällen kann Ihre Hausarztpraxis direkt über eine spezielle Arzt-Hotline mit uns in Kontakt treten.

Zur Verbesserung der Notfall-Versorgung hat der Gesetzgeber dazu den sogenannten Hausarztvermittlungsfall eingeführt. 

Je nach Dringlichkeit versuchen wir einen Soforttermin oder sehr zeitnahen Termin zu organisieren, sofern es unsere Kapazitäten erlauben. Gfls. müssen Sie mit Wartezeit rechnen.

Diagnostik mit Farbduplex-Sonographie

Die Farbduplex-Kompressionssonographie – eine spezielle Form der Ultraschalluntersuchung – ist die wichtigste Methode, um eine Venenthrombose in den Beinen oder Armen sicher festzustellen oder auszuschließen.

Mit dieser Untersuchung kann sichtbar gemacht werden, ob eine Vene durch ein Blutgerinnsel verschlossen ist und ob noch ein Blutfluss besteht.

Da die Untersuchung aufwendig sein kann und viel Erfahrung erfordert, steht sie nicht überall in gleich hoher Qualität zur Verfügung. Umso wichtiger ist es, dass sie gezielt eingesetzt wird – nämlich dann, wenn nach ärztlicher Einschätzung ein erhöhtes Thromboserisiko vorliegt.

Moderne Thrombose-Therapie

Die Diagnose und Behandlung einer Thrombose kann heute in den meisten Fällen sicher, schonend und ambulant erfolgen. Nach gesicherter Diagnose beginnt in der Regel sofort die Therapie – bestehend aus mehreren wichtigen Therapie-Säulen: 

1) Blutverdünnung (Antikoagulation)
Moderne Medikamente machen das Blut dünnflüssiger und verhindern das Fortschreiten der Thrombose, eine mögliche Lungenembolie sowie das Entstehen neuer Blutgerinnsel.
Dank der körpereigenen Heilungsprozesse in Kombination mit der medikamentösen Therapie kann sich eine Thrombose auch ganz oder teilweise wieder auflösen.

Merke: Die Blutverdünnung ist die wichtigste Sofortmaßnahme nach Diagnosestellung - sie verhindert Lungenembolie und Thrombosewachstum..
 

2) Kompression (Wickelverbände und Kompressionsstrümpfe)
Die fachgerechte Kompression lindert Schwellungen und Schmerzen im betroffenen Bein. Wichtig zur Vermeidung von Spätschäden wie dem postthrombotischen Syndrom (PTS) ist ein frühzeitiger Beginn:

Merke: Ein geschwollenes Bein muss zunächst gewickelt werden! Erst nach deutlicher Abschwellung sollte ein Kompressionsstrumpf individuell angemessen und getragen werden.
 

3) Mobilität / Bewegung ist entscheidend
Regelmäßige, kurze Bewegungseinheiten – z. B. stündliches Aufstehen, Fußwippen im Sitzen und normale Alltagsaktivität – unterstützen aktiv die Heilung.

Nur in Kombination mit Kompression wird die sogenannte Wadenmuskelpumpe effektiv aktiviert. Diese verbessert den Blutfluss, lindert Schmerzen und Schwellungen und hemmt das Fortschreiten der Thrombose.

Merke: keine Bettruhe – bewegen Sie sich!
Kompressionsstrümpfe nur tagsüber tragen – meist reicht ein Unterschenkelstrumpf.

Kontrollen und individuelle Therapieanpassung

Alle Therapiebestandteile sind wichtig und sollten konsequent umgesetzt werden. Bei Fragen oder Problemen wenden Sie sich bitte an uns oder Ihren Hausarzt.

Wichtige Entscheidungen treffen wir gemeinsam mit Ihnen – z. B.:

  • Dosierung und Dauer der Blutverdünnung
  • Umstellung von Verband auf Strumpf nach Abschwellung
  • Dauer der Kompression
  • Notwendigkeit weiterer Untersuchungen oder Vorsorge-Diagnostik
  • Sinnhaftigkeit einer Gerinnungsdiagnostik (Thrombophilie)
  • Verhalten bei Warnzeichen
     

Merke: Halten Sie bitte Ihre Kontrolltermine zuverlässig ein – nur so können wir Ihre Therapie optimal anpassen.
 

Selbst-Management – Ihre aktive Rolle ist entscheidend

Eine moderne ambulante Thrombose-Therapie erfordert Ihr Verständnis und Ihre Mitarbeit. Wir unterstützen Sie – aber die Umsetzung liegt bei Ihnen. Je besser Sie informiert sind und sich an die Therapie halten, desto erfolgreicher verläuft die Behandlung.

Komplikationen vermeiden – rechtzeitig handeln

Die frühe und konsequente Therapie verhindert schwerwiegende Folgen wie:

  • Lungenembolie (akut lebensbedrohlich)
  • Fortschreiten der Thrombose (Ausbreitung nach oben oder unten)
  • Postthrombotisches Syndrom (PTS)
    (chronische Schwellung, Hautveränderungen, Schmerzen, offene Beine)
     

Ziel der Therapie ist nicht nur die Behandlung der akuten Thrombose, sondern auch der langfristige Schutz Ihrer Venen.